Großer Informationsbedarf in Neuhofen: Bundesverband informiert über Chancen, Risiken und offene Fragen der Tiefengeothermie
Neuhofen, 26. Juli 2026 – Wenn sich an einem Sonntagmorgen der Veranstaltungssaal im Neuen Hof in Neuhofen mit zahlreichen interessierten Bürgerinnen und Bürgern füllt, zeigt das vor allem eines: Das Thema Tiefengeothermie bewegt die Menschen. Der Wunsch nach unabhängigen Informationen ist groß – ebenso wie das Bedürfnis, offene Fragen jenseits von Werbeversprechen und Projektpräsentationen zu diskutieren.
Auf Einladung der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie Neuhofen gestaltete der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie e. V. den fachlichen Schwerpunkt der Informationsveranstaltung und informierte umfassend über die geplanten Vorhaben im Raum Neuhofen.
Nach der Begrüßung durch Christoph Geier stellten sich zunächst die drei Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens vor. Sie erläuterten die Ziele des Bürgerbegehrens sowie ihre persönlichen Beweggründe, sich für eine Bürgerbeteiligung einzusetzen. Über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens hat das Verwaltungsgericht Neustadt bislang noch nicht entschieden.
Fakten statt Schlagworte
Im Mittelpunkt des Vortrags des Bundesverbandes standen zunächst die Planungen der GeoPfalz sowie das Forschungsprojekt agEnS. Erläutert wurde, welche Ziele mit den Projekten verfolgt werden, welche technischen Verfahren vorgesehen sind und welche Besonderheiten der Oberrheingraben als geologisch hochkomplexe Region aufweist.
Anschließend rückten die Fragen in den Mittelpunkt, die viele Bürgerinnen und Bürger beschäftigen: Welche Risiken sind mit Tiefengeothermie verbunden? Welche Erfahrungen gibt es aus bereits realisierten Projekten? Wie funktioniert das bergrechtliche Ampelsystem tatsächlich? Wer legt den Einwirkungsbereich fest? Welche Rechte haben Anwohner im Schadensfall – und wo liegen die praktischen Schwierigkeiten bei der Regulierung?
Gerade diese Fragen stoßen nach Auffassung des Bundesverbandes in der öffentlichen Diskussion häufig auf zu wenig Beachtung. Während Chancen und Potenziale regelmäßig hervorgehoben werden, geraten Risiken und Erfahrungen aus bestehenden Projekten oftmals in den Hintergrund. Ziel des Vortrags war deshalb, den Besucherinnen und Besuchern eine fundierte Grundlage für ihre eigene Meinungsbildung zu vermitteln.
Vorzeigeprojekte – ein kritischer Blick hinter die Kulissen
Ein weiterer Schwerpunkt war die Einordnung häufig zitierter Vorzeigeprojekte. Der Bundesverband zeigte anhand konkreter Beispiele auf, dass die öffentliche Darstellung dieser Projekte vielfach nur einen Teil der Realität widerspiegelt. Schwierigkeiten im Betrieb, induzierte Seismizität oder technische Nachrüstungen werden häufig kaum thematisiert. Hinzu kommt, dass zahlreiche dieser Projekte unter völlig anderen geologischen Bedingungen entstanden sind und deshalb nur eingeschränkt auf den Oberrheingraben übertragen werden können.
Fracking oder hydraulische Stimulation?
Besonders aufmerksam verfolgten die Besucher die Erläuterungen zu den Begriffen Fracking, hydraulische Stimulation, Hydroshearing und Reservoirstimulation. Der Bundesverband machte deutlich, dass unterschiedliche Bezeichnungen nichts am zugrunde liegenden physikalischen Prinzip ändern: Wasser wird unter hohem Druck in den Untergrund eingebracht, um die hydraulischen Eigenschaften des Gesteins gezielt zu verändern.
Den Abschluss des Fachvortrags bildete ein Ausschnitt aus der ARD-Dokumentation „Unsere Erde – Kampf um Rohstoffe“. Besonders eindrucksvoll war dabei die Aussage eines Wissenschaftlers des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), dass das energetische Potenzial petrothermaler Geothermie nur durch eine hydraulische Stimulation – also eine gezielte Rissbildung im Untergrund – erschlossen werden könne. Der Film machte zugleich deutlich, dass technischer Fortschritt stets auch die Frage aufwirft, wer mögliche Risiken und Folgen letztlich zu tragen hat.
Erfahrungen aus erster Hand
Im Anschluss berichtete Volker Engelfried, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie Schwetzingen und selbst Betroffener, über seine persönlichen Erfahrungen mit Gebäudeschäden und den langjährigen Auseinandersetzungen um deren Anerkennung und Regulierung. Sein Bericht zeigte eindrucksvoll, welche Auswirkungen Tiefengeothermieprojekte für Anwohner haben können und warum eine realistische Risikobetrachtung unverzichtbar ist.
Zum Abschluss der Veranstaltung gaben die drei Vertrauenspersonen des Bürgerbegehrens ihr Statement ab. Sie kündigten an, ihren Einsatz fortzusetzen und erforderlichenfalls weitere Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Zugleich stellten sie die aus ihrer Sicht entscheidende Frage, die bislang unbeantwortet geblieben sei und sich dabei an den Bürgermeister richtete: „Warum befrage ich die Bürger nicht, ob sie das hier wollen?“
Das Interesse wächst – und mit ihm der Bedarf an unabhängiger Information
Für den Bundesverband war die Veranstaltung in Neuhofen ein weiteres deutliches Zeichen dafür, dass die Bevölkerung eine unabhängige und sachlich fundierte Aufklärung einfordert. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger möchten sich nicht allein auf die Aussagen von Projektentwicklern verlassen, sondern Risiken, Erfahrungen und rechtliche Rahmenbedingungen gleichermaßen kennenlernen.
Der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie wird diesen Weg auch künftig fortsetzen – mit fachlich fundierter Information, dem Austausch von Erfahrungen aus betroffenen Regionen und dem Ziel, Bürgerinitiativen bundesweit zu vernetzen und ihnen eine starke gemeinsame Stimme zu geben.

Foto: Daniela Hook











