IG Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe

FRACKING UNTER GRABEN-NEUDORF?
„Der bevorstehende Injektionstest in Graben-Neudorf ist ein weiterer Meilenstein für unser Projekt und die zukünftige Wärmeversorgung in der Region.“ schreibt der BNN am 20.06.2024.
„Beim Injektionstest wird die Eignung und Leistungsfähigkeit der Bohrung ermittelt“
Müssen sich die im Umkreis lebenden Bürger mittlerweile Gedanken machen, wenn eine Deutsche Erdwärme GmbH von einer sogenannten: „Nachbearbeitung“ des Graben-Neudorfer Bohrloches redet?
Soll hier, entgegen aller ökologischer Vernunft, dass in Deutschland ein sich verbotenes Fracking durchgeführt werden? Dies in einer dicht besiedelten Region, unter unseren Füßen, mit Genehmigung des Regierungspräsidiums Freiburg? Man nennt solche Eingriffe in den tieferen Untergrund offiziell verharmlosend: „Stimulation“, was allerdings am eigentlichen Fracking-Prozess nichts verändert wurde.
VERHARMLOST PROF. DR. FRANK SCHILLING FRACKING?
Prof. Dr. Frank Schilling, Leiter des Landesforschungszentrums Geothermie (LFZG) in Karlsruhe, ein oft gesehener Gast auf den Informationsveranstaltungen der Deutschen Erdwärme GmbH, plädierte bereits öffentlich für das Fracking bspw. bei der Gasförderung in Deutschland im BNN-Artikel: „Karlsruher KIT-Forscher: Fracking zu unrecht ein Tabu“ vom 01.02.2023.
➡️ https://bnn.de/karlsruhe/karlsruher-kit-forscher-fracking-zu-unrecht-ein-tabu
Eine, auch in einem SWR-Artikel vom gleichen Tage gemachten Kernaussagen lautet: „Modernes Fracking ist in der aktuellen Situation absolut vertretbar und sollte in einer rationalen Energiepolitik eine Rolle spielen.“
WIE TIEF HAT MAN JETZT EIGENTLICH GEBOHRT ODER VERSAGTE SELBST HIER DIE DESOLATE MESSTECHNIK?
Öffentliche Angaben zur Tiefe des ersten Bohrloches in Graben-Neudorf sind zwischenzeitlich fragwürdig zu wert. Die BNN schreibt aktuell von einer Mitteilung der Deutschen Erdwärme, in der neuerdings von 3.600 Metern Tiefe gesprochen wird.
Zitat:
„Nach dem sogenannten Fündigkeitstest in Graben-Neudorf im August 2023, bei dem ein Wasserreservoir mit Temperaturen von über 200 Grad Celsius in bis zu 3.600 Meter Tiefe wurden, liegt der Fokus auf der Feststellung der Aufnahmefähigkeit der bestehenden Bohrung gemessen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Im Gegensatz dazu stehen die bisherigen Veröffentlichungen:
SWR-Zitat vom 15.08.2023:
„Das Wasser kommt aus rund 4.000 Metern Tiefe und soll später für die Wärme- und Stromerzeugung verwendet werden."
BNN-Zitat vom 14.09.2023:
„Wir sind auf der angepeilten Tiefe von 4.000 Metern angekommen, …“
WAS VERSTEHT MAN UNTER FRACKING?
Hierzu zwei Zitate von der Seite des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV):
„Das Fracking-Verfahren wird zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl sowie zur Erschließung der Tiefengeothermie eingesetzt.“
„Beim Fracking wird dazu das Gestein hydraulisch aufgebrochen, das heißt, über Bohrungen wird mit hohem hydraulischem Druck eine Flüssigkeit (Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch) eingepresst um Risse im Gestein zu erzeugen oder bestehende Risse zu weiten.“
Unsere Frage: Welche Chemikalien, mit welchem Druck verpresst man im Auftrag der Deutschen Erdwärme ab dem 25.06.2024 in das Bohrloch auf dem Projektareal in Graben-Neudorf, neben den massenhaften Kubikmetern an wertvollem Grundwasser und der bislang geförderten giftigen Tiefenwasserbrühe, welche schon seit fast einem Jahr in den offenen Pools auf dem Bohrplatz auf eine Entsorgung wartet?
BUND KÄMPFT FÜR FRACKINGVERBOT
Zitate von der Homepage des BUND:
„Fracking bedeutet, die Umwelt und die menschliche Gesundheit erheblichen Risiken auszusetzen. Deshalb kämpft der BUND für ein generelles Frackingverbot in Deutschland.“
„Beim Fracking werden unter hohem Druck Millionen von Litern mit Chemikalien versetzten Wassers in den Untergrund verpresst. Dieser Vorgang erzeugt Risse im Gestein, so dass darin eingeschlossene Kohlenwasserstoffe wie Erdöl und Erdgas herausgelöst und zu Tage gefördert werden können.“
➡️ https://www.bund.net/energiewende/fracking
Der BUND fordert ein Frackingverbot für die Öl- und Gasförderung,
Duldet allerdings Fracking / Stimulation dagegen als Möglichkeit bei der Tiefengeothermie? Wo sollte hier ein Unterschied bestehen, liebe Verantwortliche?
ANFRAGE BEIM REGIERUNGSPRÄSIDIUM BISHER UNBEANTWORTET
Die Sicherheit der Geschäftsgeheimnisse der Deutschen Erdwärme erscheint dem Regierungspräsidium wichtiger zu sein, als die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger von Graben-Neudorf und der umliegenden Region.
Eine am 04.06.2024 beim RP Freiburg von der Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie in Karlsruhe gestellte Anfrage zu den genehmigten Förder- und Injektionstests blieb bisher unbeantwortet. Man teilt lediglich mit, dass man mit der Deutschen Erdwärme GmbH abklären muss, ob ggf. Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse bzgl. der Herausgabe der Informationen betroffen sein könnte.
Das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit ist dem RP scheinbar eher zweitrangig? Wessen Interessen vertritt man endgültig? Die der Allgemeinheit, der Öffentlichkeit oder der Geschäftsinteressen eines Projektbetreibers, based in einem deutschen Steuerparadies?
EMPFEHLUNG: AUF VERÄNDERUNGEN ACHTEN
Bürgerinnen und Bürger in der Region sollten während des angekündigten mehrtägigen sogenannten „Injektionstests“ und in den folgenden Tagen, Wochen und Monaten auf eventuelle Veränderungen in und an ihren Immobilen und auch Freiflächen achten.
Wer kaltes Wasser unter Hochdruck (ob mit oder ohne Chemikalien vermischt) in eine über 200 Grad heiße geologische Störung direkt unter Graben-Neudorf einpresst, nimmt in unseren Augen eventuelle Auswirkungen (nicht nur im Untergrund) leichtsinnig und gleichzeitig billigend im Kauf.
Geschädigte Bürger können, infolge der bestehenden desolaten Regelungen für eventuelle Schadenfälle durch Tiefengeothermieprojekte, kaum auf eine annähernd angemessene Entschädigung hoffen. Dies zeigt ua die ca. 3.800 gemeldete Schadenfälle im weiten Umkreis des Tiefengeothermieprojektes Vendenheim bei Straßburg, wo auch renommierte Firmen aus der deutschen Geothermie-Szene mit ihrem fachlichen und wissenschaftlichen Personal federführend agiert sind. Trotz dessen ereigneten sich bisher insgesamt 107 dokumentierte seismische Ereignisse.
Vielen Dank.
Eure IG Tiefengeothermie im Landkreis Karlsruhe







