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Schleidberg: Wo PR glänzt – und die ASX die Kratzer zeigt

 

Ein Projekt zwischen PR-Optimismus und technischen Realitäten

Mit der jüngsten Pressemitteilung vom 21. Januar 2026 präsentiert Vulcan Energy erneut ein ausgesprochen positives Bild seiner Bohraktivitäten am Standort Schleidberg bei Insheim. Von starker Förderleistung, konsistenten Reservoirparametern und einem erfolgreichen Produktionstest ist die Rede. Für die Öffentlichkeit entsteht damit der Eindruck eines Projekts, das planmäßig voranschreitet und technische Herausforderungen souverän meistert. Doch ein genauer Blick auf die neuen Aussagen – und ihr Vergleich mit den Ereignissen und Meldungen aus dem Herbst 2025 – zeigt ein deutlich komplexeres Bild. Zwischen den Zeilen bleiben zentrale Fragen offen, und manche Formulierungen wirken wie eine bewusste Glättung früherer Probleme.

Dampfaustritt, Stickstoffeinsatz und gescheiterte Tests im Herbst 2025

Kürzlich war am Bohrplatz Schleidberg ein massiver Dampfaustritt zu beobachten – ein technisches Warnsignal, das in der Tiefengeothermie keineswegs alltäglich ist. Sichtbarer Dampf entsteht beispielsweise, wenn heißes Fluid unter Druck entweicht, wenn Stickstoff zur künstlichen Förderung eingesetzt wird oder wenn Instabilitäten im Bohrloch vorliegen. Solche Dampfaustritte deuten darauf, dass sich die Bohrung nicht im stabilen Normalbetrieb befindet. Vulcan bestätigte damals selbst Totalverluste im Seitenast LSC-1a, eine instabile Formation, die einen Produktionstest verhinderte, den Einsatz von Stickstoff zur Entlastung der Bohrung, die Notwendigkeit einer Neuablenkung sowie eine verdünnte Soleprobe, die rechnerisch korrigiert werden musste. Diese Vorgänge sind in der Tiefbohrtechnik keine Nebensächlichkeiten, sondern können Hinweise auf erhebliche technische Herausforderungen geben.

Eine neue Erfolgsmeldung – und viele offene Fragen

In der aktuellen Pressemitteilung ist von all dem keine Rede mehr. Stattdessen entsteht der Eindruck, als sei die Bohrung ohne größere Schwierigkeiten in einen stabilen Zustand überführt worden. Doch mehrere Details werfen Fragen auf. So wird zwar von einer starken Förderleistung gesprochen, tatsächlich aber wurde die Förderrate nicht vollständig gemessen, sondern aus dem Produktivitätsindex (PI) hochgerechnet. Die englische ASX-Version der Meldung vom 21. Januar 2026, die regulatorisch bindend ist, benennt dies klar, indem sie darauf hinweist, dass die Testausrüstung am Limit betrieben wurde und der Test unter eingeschränkten Bedingungen stattfand. Die deutsche PR-Version lässt diese Einschränkungen vollständig weg und vermittelt damit ein Bild, das deutlich eindeutiger wirkt, als es die technischen Daten hergeben.

Einordnung der ASX-Mitteilung vom 30. Januar 2026

Die am 30. Januar veröffentlichte ASX-Mitteilung bestätigt dieses Muster der selektiven Darstellung. Dort wird LSC-1b zwar als Erfolg präsentiert, doch die technischen Details zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild. Die „starke“ Förderleistung basiert nicht auf real gemessenen Produktionsraten, sondern auf Hochrechnungen aus einem PI-Test, der unter eingeschränkten Bedingungen stattfand und durch die maximale Kapazität der Testausrüstung limitiert war. Gleichzeitig wird der gescheiterte Seitenast LSC-1a, der aufgrund instabiler Formationen kollabierte und aufgegeben werden musste, sprachlich entschärft, obwohl er zu einer Abschreibung von 7,8 Mio. € führte. In der ASX-Mitteilung taucht der Vorgang als „non-cash impairment charge“ auf – eine Formulierung, die den Eindruck vermittelt, es handle sich um eine Art buchhalterische Randnotiz. In der Praxis bedeutet das schlicht: Das Geld ist weg. Doch im Kontext der vielen Millionen an Fördergeldern scheint dieser Verlust tatsächlich als verkraftbares, beinahe erwartbares Risiko betrachtet zu werden.

Fehlende Lithiumwerte und unerklärter Stabilitätsgewinn

Hinzu kommt, dass keine neuen Lithiumwerte für LSC-1b veröffentlicht wurden. Während im Herbst noch eine verdünnte Probe rechnerisch korrigiert werden musste, heißt es nun lediglich, alle Parameter seien konsistent. Tatsächlich steht in der englischen Meldung jedoch, dass die Soleproben erst später analysiert werden sollen. Der Lithiumgehalt des neuen Seitenasts wurde also nicht gemessen – ein bemerkenswerter Umstand, da gerade dieser Wert für die wirtschaftliche Bewertung des Projekts entscheidend ist.

Auch bleibt unerklärt, wie die Bohrung innerhalb weniger Wochen von einem Zustand mit Totalverlusten, Instabilitäten, gescheitertem Produktionstest und Stickstoffeinsatz zu einer stabilen Förderbohrung geworden sein soll. Die neue Meldung liefert keinerlei technische Erklärung dafür, wie diese Probleme behoben wurden oder ob sie überhaupt behoben wurden. Die deutsche Version der Pressemitteilung wirkt dabei auffällig glatt: Sie lässt kritische Details weg, die in der englischen Version noch enthalten sind, und konzentriert sich auf positive Botschaften. Dieses Muster ist typisch für PR-Texte, die sich an die Öffentlichkeit richten, während die englische Version regulatorisch präziser sein muss.

Missverständliche Zählweise: Was „fünfte Bohrung“ tatsächlich bedeutet

Besonders bemerkenswert ist die Formulierung, LSC-1 sei die „fünfte Bohrung“ der ersten Projektphase. Diese Aussage kann leicht den Eindruck erwecken, es stünden bereits fünf produktive Bohrungen im Dienst der angekündigten Wärmelieferung und Lithiumgewinnung. Tatsächlich bezieht Vulcan hier die bestehenden Anlagen in Landau und Insheim mit ein – zwei Standorte, die seit Jahren durch technische Probleme, Ausfälle und seismische Ereignisse geprägt sind und deshalb nur mit gedrosselter Leistung oder gar nicht betrieben werden. Beide Anlagen sind historische Geothermieprojekte, deren Betrieb nichts über den Fortschritt des Lithiumprojekts aussagt. Durch die Zusammenfassung dieser Altanlagen mit den neuen Bohrungen entsteht ein Bild, das den tatsächlichen Projektstand deutlich optimistischer erscheinen lässt, als er ist. Formal ist die Zählweise nicht falsch, doch sie lässt entscheidende Kontextinformationen weg und trägt so zu einer überoptimistischen Wahrnehmung des Fortschritts bei.

Fazit: Fortschritt oder Framing?

Die neue Pressemitteilung von Vulcan Energy vermittelt ein Bild des Erfolgs und der Stabilität. Doch die Auslassungen und Widersprüche im Vergleich zu den ASX Meldungen und Beobachtungen aus dem Herbst 2025 zeigen, dass die technische Lage am Schleidberg komplexer ist, als die PR-Texte vermuten lassen. Die entscheidenden Punkte bleiben offen: Wie stabil ist die Bohrung tatsächlich? Warum wurden keine neuen Lithiumwerte veröffentlicht? Wurden die früheren Probleme technisch gelöst – oder lediglich kommunikativ überdeckt? Und wie belastbar sind Förderraten, die nicht gemessen, sondern aus einem PI-Test unter eingeschränkten Bedingungen hochgerechnet wurden? Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wirft das Projekt Schleidberg mehr Fragen auf, als die Erfolgsmeldungen beantworten.

Ein weiterer Aspekt ist der strukturelle Unterschied zwischen den englischen ASX-Mitteilungen und der deutschen Presseversion. Die ASX-Versionen unterliegen den strengen Offenlegungspflichten der australischen Börsenaufsicht. Dort müssen Unternehmen sämtliche relevanten technischen Einschränkungen, Unsicherheiten und Risikofaktoren offenlegen, weil Investoren auf dieser Grundlage finanzielle Entscheidungen treffen. Deshalb finden sich in der ASX-Mitteilung Hinweise auf begrenzte Testbedingungen, die maximale Auslastung der Testausrüstung und die noch ausstehende Analyse der Soleproben. Diese Angaben sind nicht freiwillig, sondern regulatorisch vorgeschrieben.

Die deutsche Pressemitteilung hingegen richtet sich an Öffentlichkeit, Medien und politische Entscheidungsträger in der Region. Sie dient der Imagepflege, der politischen Akzeptanz und der Darstellung eines stabilen Projektfortschritts. Entsprechend werden kritische Details weggelassen oder sprachlich abgeschwächt, um ein möglichst positives Gesamtbild zu erzeugen. Die unterschiedliche Tiefe und Offenheit der beiden Versionen ist daher kein Zufall, sondern Ausdruck zweier völlig verschiedener Kommunikationsziele: regulatorische Transparenz auf der einen Seite und PR-Optimierung auf der anderen.

Genau deshalb lohnt es sich, beide Texte nebeneinander zu lesen – und die Lücken dazwischen ernst zu nehmen.

8767d607-3ed.pdf

Vulcan Energy meldet starke Testergebnisse an der ersten Bohrung am Bohrplatz Schleidberg - VULCAN ENERGY RESOURCES

fce9947d-a2a.pdf

 

Dieser Beitrag wurde sorgfältig recherchiert; fachliche Bewertungen geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.

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Der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie e.V. ist ein länderübergreifender Zusammenschluss von Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften. Er bündelt Erfahrungen aus der Praxis, klärt Öffenlichkeit, Politik und Behörden auf und bildet einen Gegenpol zu einseitigen Lobby-Aussagen. Ziel ist es, Risiken und Folgen der Tiefengeothermie kritisch zu hinterfragen und Fehlentscheidungen mit Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Landschaft zu verhindern.

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