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Treffen mit Eavor auf der HeatExpo: Zukunftsorientierte Geothermie ohne die Risiken klassischer Tiefengeothermie

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie hat sich im Rahmen der HeatExpo in Dortmund zu einem ausführlichen Gespräch mit Vertretern der Firma Eavor getroffen. Die HeatExpo gilt als internationale Leitmesse für innovative Wärme- und Kälteversorgung und bietet eine zentrale Plattform für neue Technologien, politische Akteure und Fachpublikum aus ganz Europa.

Das Gespräch fand mit Alexander Land, Head of Communication, Public & Political Affairs bei Eavor, statt. Ergänzend konnten wir uns intensiv mit Geologinnen und Geologen des Unternehmens austauschen. Der Dialog war offen, sachlich, fachlich fundiert und angenehm – und hat einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

Eavor in Geretsried: Anlage in Betrieb – Stromproduktion gestartet

Die Eavor-Anlage im bayerischen Geretsried ist inzwischen in Betrieb gegangen und produziert elektrischen Strom. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, denn es handelt sich um eines der weltweit ersten kommerziellen Projekte der sogenannten Eavor-Loop™-Technologie.

Diese Anlage dient nicht nur der Energieerzeugung, sondern auch als technologisches Referenzprojekt für weitere Standorte in Deutschland und Europa.

Patentierte Technologie: geschlossener Kreislauf statt Eingriff in den Untergrund

Im Gespräch erläuterte Eavor detailliert die technischen Besonderheiten des Systems, das auf mehreren unternehmenseigenen Patenten basiert und sich grundlegend von der klassischen Tiefengeothermie unterscheidet.

Die technische Umsetzung beruht auf drei zentralen Elementen:

Gesteinsversiegelung (Rock-Pipe™)

Die horizontalen Multilateralbohrungen des Eavor-Loop™-Systems sind unverrohrt und werden durch eine patentierte Gesteinsversiegelung (Rock-Pipe™) vollständig und dauerhaft gegenüber dem umgebenden Gestein abgedichtet. Dadurch bleibt der Kreislauf über die gesamte Betriebsdauer stabil und vollständig vom Untergrund isoliert.

Erdbebensicherheit

Im Bereich der Versiegelung steht das Eavor-Loop™-System in keiner Interaktion mit dem umgebenden Gestein. Es findet weder ein Austausch von Tiefenwasser statt, noch wird Druck auf den Untergrund ausgeübt. Hydraulische Stimulationen sind ausgeschlossen, und das Risiko induzierter Seismizität wird systembedingt vermieden.

Modernste Bohrtechnik

Durch präzises multilaterales Bohren entstehen mehrere Kilometer lange, parallel verlaufende horizontale Bohrungen. Diese sind mit zwei tiefen Vertikalbohrungen verbunden und bilden gemeinsam einen geschlossenen unterirdischen Kreislauf, in dem die Erdwärme aufgenommen und an die Oberfläche transportiert wird.

Als Wärmeträgermedium wird normales Wasser eingesetzt. Es kommen keine Chemikalien, keine Additive und keine Tiefenwässer zum Einsatz. Die Zirkulation erfolgt allein durch thermische Konvektion, ohne Pumpen und ohne Druckaufbau.

 

Eavor als technologiebasiertes Energieunternehmen

Die Eavor GmbH ist ein technologiebasiertes Energieunternehmen und eine Tochtergesellschaft der kanadischen Eavor Technologies Inc., die 2017 von Fachleuten aus der internationalen Energiewirtschaft gegründet wurde. Die Eavor GmbH ist für die Entwicklung geothermischer Wärme- und Stromerzeugungsprojekte in Deutschland verantwortlich.

Kern des Ansatzes ist die patentierte Eavor-Loop™-Technologie, ein vollständig geschlossener unterirdischer Wärmekreislauf. Dabei zirkuliert normales Wasser als Arbeitsmedium durch tiefes Gestein, das als großflächiger Wärmetauscher wirkt. Die gewonnene Wärme wird an der Oberfläche für die Wärmeversorgung und – abhängig vom Standort – auch zur Stromerzeugung genutzt.

Die technologische Basis bilden mehrere eigene Patente, insbesondere in der Bohrtechnik, der dauerhaften Versiegelung von Bohrungen sowie der Rock-Pipe™-Technologie. Förderung oder Verpressung von Tiefenwasser sowie hydraulische Stimulationen sind nicht Bestandteil des Konzepts. Unterstützt wird Eavor von einem internationalen Kreis namhafter Industrie- und Energieunternehmen sowie institutioneller Investoren.

Klare Abgrenzung zur klassischen Tiefengeothermie

Im Austausch mit den Eavor-Geologen wurde deutlich, dass sich diese Technologie grundlegend von der klassischen hydrothermalen Tiefengeothermie unterscheidet – insbesondere von Projekten, wie sie im Oberrheingraben geplant oder bereits umgesetzt wurden.

Das Eavor-System verzichtet vollständig auf:

· Bohrungen in aktive Störungszonen,

· Förderung oder Verpressung von Tiefenwasser,

· hydraulische Stimulationen (Fracking),

· gezielte Druckmanipulationen im Untergrund.

Gerade im Oberrheingraben, einer tektonisch sensiblen Region mit bekannten Risiken induzierter Seismizität, stellt dies einen entscheidenden Unterschied dar. Klassische Tiefengeothermieprojekte dringen dort häufig in tief liegende, salzhaltige Formationswässer vor – nicht selten mit dem zusätzlichen Ziel der Lithiumgewinnung. Diese Kombination ist aus Sicht vieler Bürgerinitiativen mit erheblichen Risiken verbunden.

 

Der Oberrheingraben: Interesse ja – Eingriffe nein

Eavor bestätigte im Gespräch, dass der Oberrheingraben aufgrund seines hohen geothermischen Gradienten grundsätzlich interessant ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gerade hier die Vorteile eines geschlossenen, druckneutralen Systems besonders zum Tragen kommen:

· keine Reaktivierung bestehender Störungen,

· keine Veränderung der Spannungsverhältnisse durch Injektionen,

· kein Risiko durch chemisch aggressive Tiefenwässer.

Damit adressiert die Eavor-Technologie exakt jene Problempunkte, die in unserer Region zu berechtigtem Widerstand gegen klassische Tiefengeothermie geführt haben.

 

Weitere Projekte in Planung: Neu-Ulm und Hannover

Neben Geretsried befinden sich laut Eavor weitere Projekte in Deutschland in der Planung bzw. Vorbereitung, unter anderem in Neu-Ulm und im Raum Hannover. Diese Standorte sollen – angepasst an die jeweiligen geologischen Rahmenbedingungen – ebenfalls mit der Eavor-Loop™-Technologie erschlossen werden.

Dies zeigt, dass Eavor nicht auf ein einzelnes Pilotprojekt setzt, sondern den Ansatz systematisch weiterentwickelt und skaliert.

 

Position des Bundesverbands Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie

Als Bundesverband setzen wir uns für:

· eine nachhaltige Energiewende,

· technisch sichere Lösungen,

· den Schutz von Mensch, Umwelt und Infrastruktur,

· und echte Alternativen zu riskanten Tiefengeothermieprojekten ein.

Das Gespräch auf der HeatExpo hat gezeigt, dass es geothermische Konzepte gibt, die ohne die bekannten Risiken der klassischen Tiefengeothermie auskommen. Die Eavor-Technologie stellt aus unserer Sicht eine ernsthafte Alternative dar, insbesondere für Regionen wie den Oberrheingraben.

Fazit: Informativ, konstruktiv und zukunftsweisend

Das Treffen mit Eavor auf der HeatExpo in Dortmund war geprägt von Sachlichkeit, Transparenz und fachlicher Tiefe. Alexander Land sowie die beteiligten Geologinnen und Geologen vermittelten offen, wie die Technologie funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und warum sie sich klar von riskanten Tiefengeothermieansätzen unterscheidet.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie wird den Dialog mit Eavor weiterführen. Wir sehen in dieser Technologie einen möglichen Baustein für eine verantwortungsvolle, sichere und gesellschaftlich akzeptable Nutzung der Geothermie, jenseits der bekannten Risiken klassischer Tiefengeothermieprojekte – insbesondere dort, wo diese mit Tiefenwassereingriffen und Lithiumgewinnung verbunden sind.

Ariane Stachowsky, 12.12.2025

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Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie e.V.

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Tiefe Geothermie e.V. ist ein länderübergreifender Zusammenschluss von Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften. Er bündelt Erfahrungen aus der Praxis, klärt Öffenlichkeit, Politik und Behörden auf und bildet einen Gegenpol zu einseitigen Lobby-Aussagen. Ziel ist es, Risiken und Folgen der Tiefengeothermie kritisch zu hinterfragen und Fehlentscheidungen mit Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Landschaft zu verhindern.

Kontakt

  • info@bundesverband-tiefengeothermie.de
  • Hauptgeschäftsstelle
  • 1. Vorsitzende Ariane Stachowsky

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